Bewundernswerte menschliche Groesse oder unglaubliche Naivitaet?
Ich bin ueber die Romanverfilmung (von der ich online gelesen habe) und Wikipedia auf diesen alten Originalartikel gestossen.
Mir ist nicht selbst nicht klar, was mich mehr bewegt, die menschliche Groesse des Autors oder seine nahezu unglaubliche Naivitaet.
Zunaechst einmal: Das "Heart of Darkness" ist eine beruechtigte Nuttenbar (bzw. netter ausgedrueckt "Freelancer-Bar", freelancer==freischaffende Gelegenheitsnutte) und wenn ein Mann in Suedostasien in so einer Bar von einer jungen Frau angesprochen wird, dann ist die Frau mit 100%iger Sicherheit eine Prostituierte bzw. ein freelancer.
Der positive HIV-Status der jungen Frau ist ein Beweis fuer ihr Gewerbe, das aelteste der Welt klarerweise, denn das Ansteckungsrisiko pro unschuetztem Geschlechtsakt betraegt naemlich nur irgendwo zwischen einem Promille und einem Prozent - d.h. wahrscheinlich hat die junge Frau hundertemal ungeschuetzt Geschlechtsverkehr mit hunderten Kunden gehabt, bevor sie letztendlich angesteckt wurde.
Um ehrlich zu sein, ich haette die menschliche Groesse nicht, als 100ster (oder 200ster, oder 500ster) Kunde dann die Scherben aufzusammeln, ihr die HIV-Medikamente und darueber hinaus auch noch den Lebensunterhalt zu bezahlen.
Bedenklich stimmt mich auch, dass die junge Frau vorgibt, mit der Ueberweisung von 250 Dollar nicht das Auslangen zu finden und weiterhin auf den Strich geht, wie im Artikel dargelegt. 250 Dollar sind in Kambodscha eine ganze Menge Geld, zumindest Anfang/Mitte des ersten Jahrzehnts im neuen Jahrhundert. Das Gehalt einer Verkaeuferin ist niedriger, der Lohn einer Landarbeiterin sowieso.
Wahrscheinlich wuerde er, wenn er monatlich 500 Dollar oder 1000 Dollar ueberweisen wuerde, genau die selbe Story hoeren ("the money was not enough", "the water buffalo died", "the uncle had to pay a hospital bill", etc.)
Abschliessend: Ich moechte dem Autor fuer seinen gewaehlten Weg, unabhaengig davon, ob es der richtige oder der Falsche war, viel Glueck wuenschen. Und seiner todkranken Freundin ebenfalls.
30.01.2010 03:23 Uhr

So ähnlich wie dieser Kommentator bei NEON sehe ich das Ganze auch.