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Kambodscha 2009 (Gelesen: 6040 mal)
TF
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Beiträge: 47
28.06.09 um 18:33:18
 
Am Flughafen KLIA wollte mich der AirAsia Mensch gar nicht in einchecken lassen, da ich aus PhnomPenh keinen Rückflug vorweisen konnte. Erst nach einer recht langen und sehr ermüdenden Diskussion war er bereit einen Vorgesetzten die Sache prüfen zu lassen. Einen Rückflug aus Bangkok konnte ich ja vorweisen, der Schaltermensch, wollte aber nicht begreifen, das ich noch nicht weiß wie lange ich in Kambodscha bleiben möchte....
Na ja der Vorgesetze von ihm war schon deutlich weltgewandter und nach einem scharfen Wortwechsel, mit seinem Schaltermenschen, durfte ich dann doch fliegen... Die ganze Aktion hat fast 20 Minuten gedauert und war sehr nerven aufreibend..
Ankunft in PhnomPenh, ein Gefühl endlich angekommen zu sein...unbeschreiblich schön. Wer die Einreise über den PPIA (Potong Airport) noch nie selber erlebt hat:

Man geht zu dem VISA Counter, dort gibt den Pass mitsamt einem Passfoto und den der Arrival Card zusammen ab.
Anschließend wird der Pass weitergegeben in eine Reihe von Beamten (ca.10), die alle irgendwas mit dem Pass anstellen, am Ende der Reihe gibt es den Pass von einer weiteren Beamtin, wieder zurück, nachdem man die USD 20 für das VISA bezahlt hat. Das ganze funktioniert erstaunlich schnell und freundlich.
Anschließend geht es zum Einreiseschalter, wo das vorher eingeholte Visum kontrolliert wird, die Beamtin fragte ob dies wirklich mein 4. Aufenthalt in Kambodscha sein, was ich freundlich bejahte, sie wünschte mir einen schönen Urlaub und einen schönen Tag... Wieder eine Einreise in eine Land wo man das Gefühl hat willkommen zu sein, das die Thais uns nicht unbedingt mögen... aber sie müssen es nicht so deutlich zeigen, bei der Einreise...!! Das es auch ganz anders geht habe ich hier bereits beschreiben und auch schon bei anderen Reisen mehrfach erlebt.

Am Zoll muss man seine Zollerklärung abgeben, die ich nicht bekommen hatte und auch nicht mehr in Erinnerung hatte.
Die Beamtin fragte mich daraufhin ob ich was zu verzollen habe, was ich verneinte. Worauf hin sie meinte, es ist in Ordnung ich darf so durch aber bitte beim nächsten mal an die Erklärung denken... das ganze mit einem unglaublich freundlichen Lächeln.

Draußen dann ein kleiner Schock, mein gebuchtes Taxi/ Auto vom Hotel ist nicht da... Leider habe ich mich von einem TukTuk Fahrer bequatschen lassen und habe auch noch geantwortet, welches Hotel? Paragon Hotel, oh – sehr schlechtes Hotel, schicken nie einen Fahrer...dabei hatte er bereits angefangen meinen Rucksack an sich zu nehmen um ihn zu seinem Fahrzeug zu bringen...Was ich energisch aber freundlich abgelehnt habe. Es folgte eine kleine Diskussion mit ihm, wieso und warum ich auf meinen Fahrer warten möchte...
Irgendwann zog er dann ab, da er ein neues Opfer ausgemacht hatte... Noch einen Blick in die Runde und ein Fahrer kam auf mich zu, er kenne mich doch vom letzten Jahr – aus dem Hotel. Da er ein Schild mit meinem Namen unter dem Arm hatte, ist das wohl der gebuchte Fahrer.
Im Hotel angekommen, sehr freundlich empfangen worden und sofort in mein Zimmer gelassen worden, ich solle mich eben erfrischen und dann kann man den Papierkram machen. Toll!!

Draußen an der Riverside (Sisowath Quai) habe ich mich (leider) draußen an die Tische gesetzt, ich liebe das Khmer Gericht Amok ein Fischcurry in Kokosnuss Milch, Ingwer und Lemongrass wird mit Klebereise gegessen. Auf das Essen habe ich mich die ganze Zeit auf dem Flug und im Taxi gefreut.
Vergessen hatte ich leider die ganzen Kinder, Kriegs/ Minenopfer. Die an der Riverside betteln gehen. Den Kinder gebe ich nie etwas, auch wenn es extrem schwer fällt. Das er bettelte Geld wird zu den Müttern gebracht, die auf der gegenüberliegenden Seite sitzen und Kartenspielen, mit eben diesem Geld. Den Invaliden gebe ich gerne etwas, da diese keine andere Wahl haben.
Nachdem ich nun draußen saß und die hübschen Damen mir mein Essen gebracht hatten kamen auch schon die ersten Kinder, die Blicke und die Gesten sagten alles.
Zwar wurden die Kinder vom Restaurant Personal auf Abstand gehalten, nur ich hatte sie bereits wahrgenommen und spürte auch die Blicke die auf das Essen.
Ich habe aus falschem Trotz alles aufgegessen, aber geschmeckt hat es ganz und gar nicht mehr.
Denke jeder Mensch der nicht aus Stein ist, wird ähnliches fühlen, bzw. meine Gefühle nachvollziehen können.

Später am Abend bin ich noch in das Walkabout Hotel, wo es mittlerweile mehr Damen aus dem Gunstgewerbe gibt alles andere... Der Vorteil ist der wen man einen längeren Abend dort verbringen möchte ist es sehr sicher, den Öffnungszeiten kennt das Lokal nicht, es hat 24 Stunden auf und ist super günstig. Und die Musik ist klasse, viel Rock und Klassik Rock, aufgedreht in einer Lautstärke wo man sich noch sehr gut unterhalten kann.
Nach einigen Stunden zurück fahren lassen und ins Bett gefallen, die letzten bewussten Gedanken, gingen zurück zu der Situation beim Abendessen mit den Kindern. Am nächsten Tag habe ich verschiedene Lokal geführte Kinderheime und Waisenhäuser besucht um das mitgebrachte Spielzeug und die Zahnbürsten zu verteilen.
Auch ein angekündigter Besuch, aber nie bestätigter Besuch bei der „Agir pour les Femmes en Situation Precaire“ kurz Afesip, ist geplant. Dem einen oder anderen wird die Organisation was sagen, zumindest der Name der Gründerin und Präsidentin sollte bekannt sein. Somaly Mam, Autorin von „ Das Schweigen der Unschuld.
Ein sehr ernüchternder wie enttäuschender Besuch.... zumindest das Treffen mit Frau Mam und das Verhalten mir gegenüber.
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TF
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Beiträge: 47
Antwort #1 - 28.06.09 um 18:34:43
 
Heute morgen nach einem wirklich netten Frühstück, einen TukTuk gemietet und los ging es da wo keine Touristen hinkommen.
Mein Ziel für den heutigen Tag war es 3 Waisenhäuser/ Childrens Home zu besuchen, ich hatte aus Deutschland etwas Spielzeug, Pflaster und Zahnbürsten mitgebracht, die ich nun verteilen wollte.
Das erste Kinderheim, was ich mir ausgesucht hatte, wird von einem Khmer geleitet, die Organisation wird von HongKong aus unterstützt/ finanziert.
Es leben zum Zeitpunkt meines Besuches 68 Kinder in dem Heim, zum Teile Waisen und zum Teil von den Eltern zurückgelassen, da diese im Ausland Arbeit gefunden haben.
Die Kinder werden zur Schule geschickt und es wird für sie gekocht, für die Vollwaisen gibt es auch Schlafräume.
Das ganze sah sehr gut aus, sehr stolz war der Leiter auf die vielen ehrenamtlichen Ammen die aus der nähren Umgebung kommen und sich in erster Linie um die Baby, bzw. Kleinstkinder kümmern.
Mir hat sehr viel Spaß gemacht, mich dort aufzuhalten und mich den Fragen der Kinder zu stellen. Whats your Name, my Name is... etc  

Anschließend ist der Fahrer mit mir zu einem SOS Kinderdorf gefahren, wenn Reichtum und Dekadenz stinken würde.. würde man sich dem Heim keinen Kilometer nähren können... Weder habe ich Einlass bekommen, noch wurde mein Anliegen angehört.
Ob ich dort unbedingt etwas verschenken wollte, weiß ich nicht, tendiere aber vom äußeren Eindruck her auf nein.
Frage mich auch warum eine SOS Kinderdorf, einen so großen Fuhrpark, von RangeRover und Lexus Geländewagen benötigt....

Also weiter zum nächsten lokal geführten Kinderheim, auch dort eine ähnliche Situation wie in dem vorherigen, es wird von einem deutschen Pärchen geführt was nicht genannt werden möchte, auch Bilder waren nicht erlaubt, fand ich sehr sympathisch.
Finanzieren tut sich das ganze über Spendengelder aus Deutschland, es steht wohl ein e.V, hinter dem ganzen.

Nach einigen Telefonaten, hat mein Fahrer endlich das Büro der Afesip gefunden.
Angekommen, wurde ich empfangen von einer jungen Dame, die mich mehr oder weniger gleich wieder wegschicken wollte... Ihr Chef ist gerade in einem Meeting und sie könne nicht sagen wie lange das ganze noch dauert, aber ich könnte ja eine eMail schreiben, nachdem ich eine Kopie von meinen beiden unbeantworteten Nachricht zeigte, wollte sie versuchen ihren Chef doch mal zu erreichen.
Ich solle dich bitte mal Platz nehmen, ihr Chef würde in ein paar Minuten hier sein.
Als erstes kam Frau Mam, selber rein, schaute mich kurz an und fragte auf Khmer ihre Mitarbeiterin etwas, anschließend wendetet sie sich wieder mir zu, da ich sie sofort erkannte habe, sprach ich sie auch mit, ihrem Namen an, was sie vielleicht nicht gehört hat, oder nicht hören wollte.
Mein Name ist Somaly Mam und ich bin die Präsidentin hier, haben sie einen offiziellen Termin? Was ich verneinte, okay, sie können mit meinem „.............“ reden. Drehte sich wieder zu ihrer Mitarbeiterin und sagte was und weg war sie....
Der Mitarbeiter, war auch in kleinster Art und Weise am Grund meines Besuches interessiert, der drückte mir einen Stapel Prospekte und eine Zeitschrift in die Hand. Viel interessanter fand er meine Herkunft und seine langsam „einrostenden“ Deutschkenntnisse mit mir zu diskutieren....

An dieser Stelle muss einfügen das ich für jede Reise, einen Geld Betrag im Freundes und Bekanntenkreis erbetene um die einer bestimmten/ unbestimmten Hilfsorganisation im Ziel Land zu geben. Diesmal war es eine bestimmte Organisation, die Afesip. Da der eMail Kontakt bereits im einseitig verlief, habe ich das Bargeld zu Hause gelassen.
Ob ich das Geld tatsächlich weitergebe oder nach Absprache mit den Gebern, einer anderen Organisation gebe, entscheide ich immer vor Ort. Im Falle der Afesip, werde ich das Geld wohl als PayPal Transfer senden, oder den Gebern zurück geben. Ich für meinen Teil habe einem anderen Projekt das Geld (meinen Anteil) gegeben.

Der Afesip Mensch, der mit mir sprach, war eher abweisend bis nicht interessiert an meinem Anliegen.
Auch das Verhalten der Frau Mam, ist mir nicht ganz erklärlich...nur urteile ich hier nicht, sondern gebe nur die Fakten wieder.
Da ich noch eine Tüte voll mit Spielsachen hatte, wollte ich diese gerne loswerden, aber der gute Mann hatte keine Zeit.. Die Sachen habe einer Bürodame gegebene, hoffe das es kein Fehler war.

Den Abend habe ich mit einer Deutschen (Apsara) verbracht, die ich über ein Forum kennen gelernt habe. Sie lebt mit ihrer Familie in Kambodscha. Ein sehr schöner Abend, mit unendlich vielen Informationen über das Land und die Stadt!
Anschließend bin ich noch in zum „Heart of Darkness“ gefahren, eine westliche Disko, extrem klein, aber durchaus charmant.... Ebenfalls sehr viel Dame aus dem Gunstgewerbe.
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TF
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Antwort #2 - 28.06.09 um 18:43:45
 
Nach einer recht unruhigen und kurzen Nacht, wollte ich a nächsten morgen zu einer Bar, die mehrmals pro Woche, zu der Müllhalde von Phnom Penh fährt um dort aus Spenden finanzierte Lebensmittel und eine Wundversorgung der Kinder die dort arbeiten zu betreiben.
Was das Projekt Erwähnenswert macht ist, das es man nicht einfach Geld gibt, sondern selber auf dem LKW mit fährt, auf einem Markt die Lebensmittel einkauft und später diese auch an die Kinder  verteilt. Es wird eine Spende von min. 15 USD erwartet, gerne auch mehr, dafür gibt es eine Quittung, das Geld wird in der Bar gesammelt und später wird mit dem gesammelten Geld auf dem Markt eingekauft.
Aus Spenden die über die Website kommen, werden unter anderem Desinfektionsmittel und Verbandsmaterial gekauft. Im Bedarfsfall wird den Kindern auch ein Krankenhaus Besuch/ Aufenthalt finanziert.
Für das Einkaufen auf dem Markt war eine Khmer, die in der Bar arbeitet, auf dem Markt dabei, um nicht „Barrangpreise“ zu bezahlen.. Es ist neben Baguette Stangen, Unmengen an Obst gekauft worden, Bananen, Ananas (für die Schwangeren), Äpfel und Früchte die ich nicht kenne...

Angekommen an der Deponie, ist der Truck bereits von einer kleinen Horde Kindern empfangen worden, die sich am Truck festhalten wollten, um als erster an der Reihe zu sein, meine Aufgabe, war es durch lautes rufen und gegebenenfalls durch leichte Schläge auf die Hände dies zu unterbinden. Niemand der noch nie in solch einer Situation war, kann sich vorstellen wie das im Herzen tut...
Mit jedem Meter den der LKW weiter in die Deponie fuhr, desto schlimmer wurde der Gestank.
An der Stelle wo die Sachen verteilt werden, wurde als erstes eine kleine „Sanitätsstation“ (Sonnenschirm, Truhe mit Medikamenten und 2 Stühlen) aufgebaut.
Wir, die Leute die mitgefahren sind/ Spender hatten verschiedene Aufgaben zugewiesen bekommen, ich sollte wieder darauf achten das 2 Schlangen aus jeweils Jungen und Mädchen gebildet werden, und niemand sich vor drängelt und niemand schubst.. keine sehr dankbare Aufgabe, aber der ebenfalls ehrenamtliche Arzt, oder Sanitäter, brauchte jemanden der bei der ersten Hilfestation mithelfen kann. Da ich in diesem Gebiet nicht unerfahren bin ( Ausbilder zum Ersthelfer am Unfallort, Erstversorgung nach einem Tauchunfall, auch durch 100% Sauerstoffgabe), habe ich mich gemeldet und habe dort etwas mit geholfen.
Es waren in erster Linie Schnittwunden an den Händen an den Fußsohlen zu versorgen, da die Kinder entweder Barfuß oder mit den Gummisandalen (FlipFlop Sandalen?) auf den Müllbergen unterwegs sind. Der Arzt hat sich um größere Entzündungen, Abszesse gekümmert.
Die eigentliche Aufgabe war sehr einfach, die seelische Belastung aber enorm. Die Wunde mit einer Sagrotan ähnlichen Flüssigkeit säubern, anschließend, mit Jod, oder Beta Isodona (ähnliche Wirkungsweise wie Jod, brennt aber nicht so stark) desinfizieren. Ich weiß nicht mehr wie viele Kinder/ Erwachsene ich so versorgt habe, es waren aber sehr viele. Meine Kleidung war so verdreckt, das ich mein T-Shirt weggeworfen habe und die Hose mit de Wasserkocher aus dem Hotelzimmer ausgekocht habe.
Was ich als Dank bekommen habe, waren unzählige Lächeln,  ebenfalls unzählige Wai und ebenso unzählige Küsse von den Kindern.. .. Eine Erinnerung die wohl mein ganzen Leben in meinem    Herzen bleibt.

Die eigentliche Verteilung der Lebensmittel habe ich nur am Rande mitbekommen, aber ebenfalls die strahlenden Augen und das teilweise hastige rein beißen in die Früchte, oder das Brot ist ein Erlebnis was ich nie wieder vergessen kann. Ich hätte gerne mehr Bilder gemacht, aber meine Scham war zu groß Menschen in einer so demütigenden Situation zu fotografieren.
Die Zeit wo ich angewiesen wurde in den Reihen für „Ordnung zu sorgen“ haben mir unzählige Kinder die Hand gegeben, bzw. mir einen gekrümmten Finger hingehalten um Freundschaft zu schließen. Jungen wie Mädchen. Einer der Organisatoren sagte mir, es ist eine ganz neue Situation, für die Kinder, das ein Mann mit der gleichen Hautfarbe wie sie, hier ist..  daher die teilweise ablehnende Haltung mir gegenüber, wo von ich aber nichts mitbekommen habe.
Wir sind anschließend noch zu den Hütten geführt worden um zu sehen wie diese Menschen leben.
Da mir nach der Wundversorgung und dem Anblick der Empfänger bereits die Tränen in die Augen stiegen, bin ich auf halben Weg wieder zurück zum Truck, ich wollte nicht vor diesen Menschen heulen. Sie haben so wenig bis gar nichts und weinen auch nicht vor uns, sondern Lustig und Froh über den Besuch.
Wo ich meinen Anteil an der für die  Afesip gedachte Spende gelassen habe, dürfte jedem klar sein..
Spielzeug und Zahnbürsten nützen Menschen nichts, wenn sie Hunger leiden müssen.

Die Kontaktdaten und Flyer scanne ich, zurück in Deutschland ein und stelle sie dann Online. Ich kann nur jeden auffordern, an dieser Tour teil zu nehmen, es ist Stress pur für die eigene Seele, aber ein es hilft anderen Menschen einen etwas angenehmeren Tag zu gestalten.

Mein Tag war eigentlich gelaufen, so bin ich anschließend noch zu dem Toul Sleng Museum (S21, Security Office 21) gefahren, aber das ein eigener Teil.
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king
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Antwort #3 - 29.06.09 um 00:30:10
 
mein Gott, TF, das ist ein großartiger bericht von dir. sehr gern komme ich  auf deine Scans zurück. Wie lange bist du noch on Cambodia?
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HWinSR
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Antwort #4 - 29.06.09 um 04:17:40
 
TF schrieb am 28.06.09 um 18:43:45:
Nach einer recht unruhigen und kurzen Nacht, wollte ich a nächsten morgen zu einer Bar, die mehrmals pro Woche, zu der Müllhalde von Phnom Penh fährt um dort aus Spenden finanzierte Lebensmittel und eine Wundversorgung der Kinder die dort arbeiten zu betreiben.
Was das Projekt Erwähnenswert macht ist, das es man nicht einfach Geld gibt, sondern selber auf dem LKW mit fährt, auf einem Markt die Lebensmittel einkauft und später diese auch an die Kinder  verteilt. Es wird eine Spende von min. 15 USD erwartet, gerne auch mehr, dafür gibt es eine Quittung, das Geld wird in der Bar gesammelt und später wird mit dem gesammelten Geld auf dem Markt eingekauft.
...

Handelt es sich bei dieser Bar um B& B? Und direkt um David F.?
Er ist mittlerweile rausgeschmissen worden, hat wohl Spendengelder veruntreut. Die Bar ist geschlossen worden. Er managt jetzt das 'Revolution' bei Wat Lanka und hat dort ebenfalls schon fuer Unruhe gesorgt. Die kleine Truppe die ihm das Geld besorgte ist schon dreimal umgezogen, innerhalb vor 5 Monaten...
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TF
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Antwort #5 - 29.06.09 um 09:00:22
 
huch..
David Flechter und ogie and Bacall ist richtig..
Sorry ich muss zur Arbeit - melde mich später..
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Frosch
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Antwort #6 - 30.06.09 um 07:09:13
 
Hi TF,

danke für Deine Berichterstattung, sehr bewegend und sehr interessant.
Auch ich habe es leider festgestellt, dass die etablierten Hilfsorganisationen für mich persönlich den Eindruck erwecken als wurden sie an „kleine Spenden“ nicht interessiert und Besucher, die sich vor Ort ein Bild machen wollen, eigentlich verbannen wollen.
Die schönen, sterilen Bilder in der Presse und im Fernsehen verkaufen sich viel besser.
Auch der große Fuhrpark mit Luxuslimousinen von diversen Organisationen hat bei mir einen Beigeschmack hinterlassen.
Darum unterstütze ich Organisationen und Projekte, die ich persönlich kenne und wo mein Besuch vor Ort willkommen und nicht störend ist.

LG
Frosch


Das Beste, was man von Reisen nach Hause bringt, ist die heile Haut.
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sunpower
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Antwort #7 - 04.07.09 um 14:47:01
 
Schöner Bericht, aber das schale Gefühl bleibt, dass unter dem Deckmantel der "Hilfe für notleidende Kinder" doch viele Helfer auf grossem Fuss leben, und auch direkte Spenden oftmals eher nicht willkommen sind, schon gar keine Sachspenden. Auch Betrüger wird es immer geben.

Das sollte man zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln.

Ein richtig gutes Projekt in Cambodscha, am 30.05.2009 offiziell eröffnet und privat finanziert aus Österreich und Deutschland, dazu noch deutsch geleitet, findet man auf
   tani.at
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TF
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Antwort #8 - 07.07.09 um 13:27:26
 
Nachdem sehr ergreifenden und für mich persönlich, beschämenden Vormittag, wollte ich mir zum zweiten Mal das Toul Sleng Museum ansehen. An das erste mal im letzten Jahr hatte ich noch recht schemenhafte Erinnerungen. Nach dem Besuch des Museum, hatte ich mich mehrfach übergeben müssen und habe nach einigen Stunden Schlaf, mich hemmungslos betrunken, um die Bilder irgendwie aus meinem Kopf zu verdrängen. Geklappt hat es bis zum heutigen Tag nicht, wenn ich Bücher von Überlebenden lese, oder Berichte von dem aktuellen Tribunal kommen diese Bilder immer wieder, auch Nachts.

Das dies hier auch ein Reisebericht ist der auch teilweise in Foren veröffentlicht wird, möchte, nein muss ich ein paar erklärende Worte dazu schreiben.

Die ehemalige Schule Toul Svay Prey, wurde nach dem Sturz der Lol Non Regierung, durch die Red Khmer Rouge im April 1975, zu einem Konzentrationslager, dem S21 (Security Office 21) umfunktioniert. In dem Lager wurden Menschen inhaftiert und mit grausamen Methoden gefoltert, um sie dem Verrat an der marxistischen Idee zu überführen, in der ersten Zeit hauptsächlich Angehörige der Regierung von Lol Non, später als das Misstrauen größer wurde auch Kader und Offiziere  aus den eigenen Reihen der Red Khmer Rouge.
Die aller meisten der Inhaftierten, die nicht bereits im S 21 gestorben waren, nach der Folter, wurden zur Exekution nach Choeung Ek gebracht.

Zu einem Museum ist das S21 nach dem Einmarsch der vietnamesischen Truppen im Jahr 1979 umgewandelt worden.
Vietnam brauchte dringend international eine Rechtfertigung, des Einmarsches und der darauf folgenden Besetzung von einem bis dahin „unabhängigen“ Staates.
Die Roten Khmer haben, wie die Nazis im NS Deutschland, penibel Buch geführt (weiß mich nicht anders auszudrücken, sorry!!!), wer was „gestanden“ hat und die Personen alle fotografiert.
Diese Dokumente und Fotografien von den Inhaftierten, in Verbindung mit den vorgefunden Folterinstrumenten und den Zellen, waren ein beeindruckender Beweis und eine ausreichende Begründung der Besetzung des Landes durch Vietnam.

Nachdem man ein Eintritt für das Museum bezahlt hat, geht man nach links zu dem ersten Gebäude, vor der Flucht der Wärter haben diese die letzten Gefangenen hingerichtet, die Gräber der letzten Opfer, sind vor dem Gebäude. An den Wänden, der unteren Zellen sind Bilder von den Opfern, ihnen wurde die Kehle durchgeschnitten. In den Zellen selber sind die Bettgestelle und die Hand und Fußfesseln zu sehen, auch eine Patronen Kiste, die wohl für die Extremente gedacht war ist noch da.

Wenn man aus dem Gebäude raus kommt, läuft man an Turnstangen vorbei, die RKR haben diese zum Foltern benutzt, die Gefangen die dabei ohnmächtig wurden, wurden Kopfüber in einen Trog mit Wasser gesteckt, so dass sie schnell das Bewusstsein wiedererlangen und die Wärter weitermachen konnten....

In dem zweiten Gebäude sind meterweise Porträt Fotografien der Gefangen zu sehen.
Frauen, Kinder, Männer, Mütter mit ihren Babys auf dem Arm.
Ich habe mir viel Zeit gelassen mir die Gesichter anzusehen, alle Fotografien haben eines gemeinsam, einen Blick den ich nie zuvor bei einem Menschen gesehen habe, Angst und Unverständnis über das was gerade mit ihnen geschieht.
Eine Chronologie der Bilder ist nicht zu sehen, allerdings meine ich das die ersten Bilder recht früh gemacht worden sein müssen, die folgenden Bilder zeigen immer mehr ausgemergelte Menschen.
In einem der Räume ist ein Bild zu sehen von recht großen Kleiderhaufen, darunter befindet sich eine Vitrine, wo ein Teil der Kleidungsstücke zu sehen ist.

Büsten von Pol Pot und 3 weiteren Führern sind in einem Metallkäfig zu sehen, die Büsten sind wohl in der Vergangenheit mehrfach angegriffen worden, bzw. versucht worden diese zu zerstören.

In weiteren Räumen sind weitere Bildwände aufgestellt worden, unter anderem von Gefangen die der Folter erlegen sind und die -öffnung der Massengräber in Choeung Ek.
Es sind Bilder von Van Nath zu sehen, einer der wenigen die S21 überlebt haben, in dem er Bilder malen musste, von den Taten der RKR.
In den oberen Etagen sind Zellen zu sehen, wo die Gefangen untergebracht waren. Ich bin für einen Asiaten etwas größer und etwas breiter. 1,70 und recht breitschultrig. In den Zellen konnte ich mich gerade einmal drehen. Hinlegen hätte ich mich nicht können, da die Zelle nicht lang genug war.

Das dritte Gebäude ist ist komplett mit Stacheldraht verhangen. Nachdem eine Frau sich aus dem oberen Stockwerken in den Tod gestürzt hat, wurde dies zur „Sicherheit der Gefangenen“ eingeführt.

In den oberen Etagen sind verschiedene Fotoausstellungen zu sehen, die von Zeit zu Zeit wechseln, auch ein Film über das S21 wird gezeigt, den ich aber nicht gesehen habe.

Aktuell wurde eine Ausstellung gezeigt, wo Fotos von einer schwedischen Reisegruppe die 1978 durch Kambodscha geführt wurde, zu sehen.
Es werden Szenen gezeigt wie, die RKR Kambodscha zeigen wollte.
Schulen, Frauen und Männer bei der Feldarbeit, beim Essen und und und... interessant ist das ganze, durch die Kommentare von 78 und die aktuellen Kommentare, nachdem bekannt wurde was in dem Land von 75 bis 79 passiert ist.
Es muss erschreckend sein, für die Reisegruppe dem Genozid so nahe gewesen zu sein und doch nichts mitbekommen zu haben. Die Kommentare von 78 sprechen für sich, auch die neuen Kommentare zeigen deutlich das erschrecken und die Scham des Autors. Immerhin hält er sich nicht zurück mit seiner (damaligen) Sympathie für die Kommunisten.

In dem letzten Gebäude sind die Folterwerkzeuge ausgestellt und Bilder, die die den Empfang der RK Soldaten in Phnom Penh. In sehr vielen Büchern, wird der Empfang der Soldaten in der Hauptstadt beschreiben, die Euphorie der Menschen endlich „befreit“ worden zu sein und in Frieden leben zu können....
Es ist sehr bedrückend die beschreibenden Worte in Bildern zu sehen.

Ich fühlte mich nicht so schlimm wie beim ersten Besuch des Museums. Immerhin wusste ich dieses Mal was mich erwarten würde, aber kann man sich auf das gesehene vorbereiten? Ich denke, Nein, ich habe in Deutschland einige ehemalige Konzentrationslager besucht, teils als Schulbesuch, teils aus Eigeninitiative.
Aber das Toul Sleng Genozid Museum bleibt unerreicht, wie ja bereits beschreiben ist es von den Vietnamesen eingerichtet worden um zu zeigen warum sie in das Land einmarschiert sind. Daher auch die sehr direkte und offene Ausstellung.

Ich muss an dieser Stelle einfügen das ich mich nicht so genau daran erinnern kann, oder möchte, ob die Beschreibung der Einzeln Gebäude so richtig ist, es kann also sein das ich einiges durcheinander gebracht habe. Ich bitte um Verständnis, aber das gesehene ist sehr verstörend.

Nachdem ich mich noch etwas auf einer Bank ausgeruht habe um das eben erlebte, bzw. gesehene wirken zu lassen, habe ich mich von einem TukTuk Fahrer zurück fahren lassen, ich wolle mir am Abend noch einen Apsara Tanz anschauen, nach einer Empfehlung sollte die Fahrt zum Titanic Restaurant gehen, auch am Sisowath Quai, direkt am Fluss gelegen.
Leider hatte ich vergessen, wo ich mich befinde und keinen Preis für die Fahrt abgemacht.... der Normalpreis dürfte bei 2 – 2,50 USD liegen... am Ziel angekommen, verlangte der Fahrer 8 USD... ich hatte ihm 2 Dollar gegeben, was er energisch ablehnte, nachdem ich ihn ebenfalls „energisch“ darauf aufmerksam gemacht hatte, das er nicht mehr bekommen würde, wurde eine etwas lautere Diskussion daraus, wir „einigten“ uns zum Schluss auf 3 USD... Da immer mehr Fahrer auf die Situation aufmerksam wurden, hätte ich auch mehr bezahlt... eine riesengroße Dummheit den Preis nicht vorher abzusprechen und sich anschließend noch auf einen lauten Streit einzulassen...aber es ist alles gut gegangen... Hätte auch anders ausgehen können, wo ich den kürzen gezogen hätte...

In dem Titanic Restaurant, wird jeden Abend, ab 20.00 Uhr ein Apsara Tanz aufgeführt, ich war schon einige male in Kambodscha, habe es aber nie geschafft mir diesen Tanz einmal live anzuschauen.. Da ich zu früh da war, habe ich mir einen netten Platz reservieren lassen und bin zu einem Nachtmarkt, der am Wochenende stattfindet, auf der gegenüber liegenden Seite gegangen. Nicht ganz so viel Blödsinn, wie auf anderen Märkten in Thailand, aber ebenfalls sehr viele Kopien von Markenprodukten, aber auch ein paar Stände die wirklich schöne Handarbeiten aus lokaler (?) Produktion verkauft haben. Habe mir ein paar Figuren aus Stein und Holz gekauft. Bei den ausgerufenen Preisen, so lange handeln bis man ca. die Hälfte des ursprünglichen Preises erreicht hat Zwinkernd, wer das Lächeln und die Freundlichkeit nicht vergisst, wird den tatsächlichen Wert des Produktes bezahlen Smiley
Am Ende des Marktes sind sehr viele Garküchen aufgebaut, die wirklich lecker riechende Gericht anbieten. Neben den Küchen sind Stoffe/ Teppiche ausgelegt, wo sich die, meist Khmer, Familien hinsetzen und gemeinsam essen, ein fast romantischer Anblick. Insbesondere wenn man noch die Bilder aus dem Museum im Kopf hat.

Zurück im Restaurant, hat es mir fast die Sprache verschlagen als ich in die Karte geschaut habe, die Preise bewegen sich auf dem Niveau, preiswerter Chinesen in deutschen Großstädten....
Was soll´s, ich wollte den Tanz sehen und gegessen hatte ich noch gar nichts.
Auf der Bühne saß ein Musiker der die ganze Zeit auf einem Bongo ähnlichen Instrument gespielt hat. Im ersten Augenblick eher nervend, nach ein paar Minuten unheimlich beruhigend und schön.
Das Essen selber war in Ordnung, aber viel zu teuer.. und in meinen Augen eher auf den Touristen Gaumen ab geschmeckt....
Der Tanz selber war wunderschön und sehr interessant zu sehen. Der Apsara Tanz wird ja auch Tanz der Götter genannt, die Tänzerin hatte während des Tanzes, ein ganz entrückten Blick. Exakt wie auf den Wandmalereien in Angkor Wat, oder den Relifen an den Tempeln.
Die indischen Ursprünge des Tanzes sind sehr deutlich zu sehen, wobei ich den indischen Tanz als dynamischer und energischer empfinde. Auch den Ausdruck, bzw. die Geschichte die über den Tanz erzählt werden, wurde in dem Restaurant nicht erzählt, bzw. erklärt.

Alles in allem würde ich den Abend in dem Titanic Restaurant, als typische „Touristen Attraktion“, oder deutlicher als Touristen Nepp bezeichnen.
Das Essen war für das Geld völlig überteuert, der groß beworbene Apsara Tanz war sehr schön an zu sehen, aber ohne Erklärung dessen, nicht zu verstehen.

Nach dem recht anstrengenden Tag habe ich den Abend recht schnell beendet und recht früh ins Bett gegangen....
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sunpower
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Antwort #9 - 09.07.09 um 09:45:51
 
Sehr guter Reisebericht!

Nur 2 Anmerkungen meinerseits:

Es ist absolut ratsam, stets den Preis für das Tuk Tuk vorher auszumachen, denn die Forderungen werden sonst unverschämt.
Wir reden hier von einem Land, in dem Frauen in Textilfabriken um die 50$ pro Monat verdienen, und das bei 28 Tagen Arbeit je 9 Stunden.

Die Preise in den Touri-Hochburgen Phnom Penh und Siem Reap sprengen mittlerweile jedes normale Mass, sowohl bei Transport als auch bei Restaurantbesuchen und in vielen Bars.

Die Eindrücke im S21 sind erschütternd, mehr noch als "draussen" auf den killing fields, da geht man wirklich sehr sehr nachdenklich raus.

Homo homini lupus
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TF
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Antwort #10 - 09.07.09 um 13:18:05
 
Hallo sunpower,
Ich war nicht das erste mal in Kambodscha.. und wohl auch nicht das letzte mal Smiley
Wie ich ja versucht habe zu beschreiben, war es natürlich eine Riesendummheit, den Preis nicht im Vorfeld abzusprechen... was solls- diesmal bin ich sauber rausgekommen, hätte aber auch ganz anders ausgehen können...
Zu den Restaurants/ Bars, eigentlich habe ich bis auf das Titanic nie schlechte Erfahrungen gemacht... Egal ob viele Touristen da waren, oder viele Khmer..

SiemReap/ "Commision City" ist ein ganz eigener Teil. Leider bin ich bereits seid einiger zeit wieder in Deutschland und, der berufliche/ persönliche Alltag(strott), mich wieder zu 100% im Griff hat, kanne s ein paar Tage/ Wochen dauern bis der Teil eingestellt wird.


Danke für das Lob Smiley
Gruß TF
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HWinSR
Member****
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Antwort #11 - 21.07.09 um 09:58:26
 
Letzte Info zu David Fletcher und der Muelldeponie in Stung Meanchey.

DF ist in der Revolution Bar in Pasteur St. Scheint aber schon ein neues Projekt im Auge zu habe, 'Rick's American Cafe'. Er behauptet nun er nutzt die Spenden, um Kindern Krankenhausbesuche zu bezahlen. Laut seiner Webseite gehen die Spenden uebrigens immer noch auf sein Privatkonto.

Die Muelldeponie in SM ist seit Montag zu. Zeitgleich oeffnete die neue in der Naehe von Cheoung Ek. Es werden keine Familien mehr dort arbeiten duerfen, alle zwei Tage wird der Muell angeblich begraben.

Stand heute in der PP Post, Papierausgabe. Keine Ahnung wann es auf der Webseite sein wird.
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jumosi
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Antwort #12 - 21.07.09 um 15:32:04
 
Hallo Zusammen,

wir fliegen in 2 Wochen nach Kambodscha und ich hatte eigentlich geplant, ebenfalls für die Kinder der Mülldeponie etwas zu spenden. Habe bereits von einigen Freunde ebenfalls signalisiert bekommen, dass sie sich beteiligen möchten. Allerdings hätte ich mich schon gern vor Ort umgesehen und das Geld persönlich gegeben oder eben - wie im Bericht von TN - Lebensmittel mitverteilt. Ist derzeit jemand vor Ort, der mir sagen kann, ob das ganze wirklich so von statten gegangen ist, wie es in der Zeitung steht? Lt. einem Fernsehbericht  soll in der Nähe der Müllkippe ein franz. Ehepaar leben, die ebenfalls Kinder betreuten. Kennt die jemand oder kann mir jemand Kontaktdaten vermitteln? Falls die Deponie wirklich zu ist - was ist dann aus all den Kindern geworden?

LG

Jumosi
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TF
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Beiträge: 47
Antwort #13 - 21.08.09 um 01:25:50
 
Die Nacht war wieder sehr unruhig und wenig erholsam, neben einigen privaten Sorgen, sorgten die Bilder vom erlebten und gesehenem, für sehr seltsame Träume..
Da es noch recht früh war und die Wärme noch angenehm, habe ich mich zu einem Spaziergang entschlossen, hungrig war ich noch nicht, so das ich das Frühstück ausfallen lassen konnte.
Spazieren gehen in Phnom Penh.. ein fast unmögliches unterfangen.. an jeder Ecke lauern irgendwelche Fahrer, die auf der suche nach neuen Opfern sind. TukTuk, Sir? Lady Massage, Sir? BumBum, Sir? Chickenfarm, Sir? Killing Fields, Sir? Shooting Range, Sir?, irgendwann fällt es sehr schwer immer wieder freundlich Nein zu sagen... Ignorieren ist wohl die beste Möglichkeit, aber „leider“ bin ich zur Höflichkeit erzogen worden..
In der nähe des Hotels gibt es einen Basar, da er in erster Linie von Khmer besucht wurde, denke ich das es ein normaler Markt ist, wo die Khmer ihre Lebensmittel einkaufen. Es ist nicht ganz so schön wie die Lebensmittelmärkte wie in Thailand, aber trotzdem war es doch recht interessant dort zu schauen.
Nett fand ich das man an sich jedem Stand mit Obst versorgen konnte, was auf Wunsch auch sofort geschält wurde.
Unmengen an Papaya, Mango, Ananas und andern Früchten ersetzen mir mein Frühstück. Bei den bereist geschälten Früchten die auf den mobilen Wagen verkauft werden, bin ich immer etwas skeptisch, da man nicht weiß wie lange die schon so transportiert werden.. dazu kommt die liegen meist auf Eis...

Die friedliche und entspannte Atmosphäre auf dem Basar habe ich richtig genossen, niemand der mich ständig anspricht, wohl eher wegen der Sprachbarriere, dazu der schöne Anblick der Waren. War sehr entspannend.
Gehört habe ich des öfteren das Wort „Barrang“ und riesengroße Kinderaugen haben mich ganz erstaunt angesehen.. Ich fand es witzig, denke auch nicht das es unfreundlich gemeint war.

Auf dem Rückweg zu dem Hotel bin ich an einem Massage Salon vorbeigekommen, da ich die letzten Tage nichts für mein eigenes Wohl getan hatte, schließlich ist es in erster Linie mein Jahresurlaub, entschloss ich mich für 90 Minuten Khmermassage.
Drinnen wurde mir erstmal gesagt das es hier nur Massagen gibt und keinen Sex! Dies allerdings in einer Deutlichkeit, die ich schon fast als unhöflich bezeichnen würde. Aber da ich genau dies gesucht hatte, war ich doch etwas erleichtert, das ich mich nicht gegen irgendwelche „Extra“ Leistungen wehren muss, die den Erholungsfaktor doch sehr schmälern...
Die Massage war sehr gut, allerdings teilweise auch sehr schmerzhaft, keine Ahnung wo solch eine zierliche Person so viel Kraft her nimmt.
Nach der Massage und der anschließenden Dusche fühlte ich mich aber sehr gut und war bereit weiter Phnom Penh zu Fuß zu entdecken.
Leider stieg die Hitze zu einem unerträglichen Maß an, in der nähe des Central Markt, gibt es ein paar chinesische Lokale. Bestellt hatte ich nach einem Foto, da keine englische Karte da war... Interessant war das meine Suppe genau so aussah wie auf dem Foto  Nur wie man eine Suppe mit Stäbchen essen kann, wird für mich ewig ein Geheimnis bleiben...
Durch einen Mosumschauer bin ich gezwungen worden mich unter zustellen, eigentlich müsste ich schreiben Gott sei Dank... Die Gelegenheit habe ich genutzt meine Eltern anzurufen und ihnen mitzuteilen wo ich bin und das es mir gut geht...
Wir sprechen mitunter einen ziemliches Kauderwelsch, eine Mischung aus Bengalisch, Deutsch und Englisch.... Einem Khmer waren die deutschen Worte aufgefallen und er sprach mich an, wo ich her komme. Er hätte etwas deutsch gehört, nachdem ich ihm erklärt hatte, was meinen Hintergrund angeht, war er sehr erfreut das er einen Gesprächspartner gefunden hatte mit dem er auf deutsch reden könnte. Was er auch erstaunlich gut und ohne merklichen Akzent sprach, er hat in der DDR studiert. Heute arbeitet er als Lehrer, Deutsch unterrichtet er allerdings nicht. Ein Intelligenter, wie witziger Gesprächspartner...

Nach dem Regen bin ich zum Hotel gelaufen um mich etwas schlafen zu legen, der schlechte und zu kurze Schlaf der letzten Tage rächte sich dann doch zu sehr. Ärgerlich um die schöne Urlaubszeit..
Auf dem Rückweg ging mir vieles durch den Kopf, die Bilder aus den vergangen Tagen und die Eindrücke von dem was ich heute gesehen hatte, waren doch etwas viel.
Die Gegend um das Hotel und den Central Market würde ich als wohlhabend bezeichnen, trotzdem ist wenn man die Augen aufhält sehr viel Elend und Not zu sehen, auch wenn mir die Bilder sehr aus meinem Heimatland vertraut sind, zehrt das doch schon sehr am eigenen Seelenheil.
Nachmittags bin ich dann noch mal zu den „Killing Fields“ gefahren. Ein bedrückender Ort.

Die Killing Fields „Choeung Ek“, einer von vielen Orten in Kambodscha, die in der Zeit der Red Khmer Rouge, zum ermorden von Regime Gegner genutzt wurde. Der Ort befindet sich ca. 15-20 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Es handelt sich um mehrere Massengräber, die Opfer sind nach den Verhören im S-21, dorthin gebracht wurden. Nach den Bildern von Van Nath sind die Menschen dort in erster Line erschlagen worden. Munition ist teuer gewesen...Auch die gefunden Schädel zeigen meist Brüche auf der Oberseite. Einige der Gräber wurden geöffnet und die Skelette geborgen. Zum Teil sind die Knochen in einer Stupa „ausgestellt“.

Die Fahrt nach Choeung Ek ist außerhalb von Phnom Penh, fast romantisch.. Die Strecke führt über eine Landstraße die durch Reisefelder und andere Felder führt. Durch das offene TukTuk riecht man die schöne Luft und kann sich am Anblick der fast unendlich wirkenden Felder erfreuen.

Angekommen, war ich doch erfreut das außer mir keine anderen Touristen dort waren, leider hatten auch die Getränke Kioske schon geschlossen... Der Eintritt beträgt 3 USD. Auf dem Gelände sind verschiedene Schilder angebracht worden. „Hier sind die Deportieren abgeladen worden“ und ähnliches ist darauf zu lesen, ob es stimmt?
Direkt hinter dem Eingangstor läuft man auf die Stupa zu. Im inneren sind die Knochen und Schädelknochen zu sehen, sortiert nach Geschlecht und geschätztem Alter. Auch gefundene Kleidungsstücke sind zu sehen.

Die ausgehoben Massengräber sind als größere Gruben in dem Boden zu sehen, teilweise sind noch Knochen, Knochensplitter zu sehen. Auf Schildern ist zu lesen wie viele Menschen in den Gräbern gefunden wurden.
Eine informations---- Installation zeigt den Weg den die Deportierten zurückgelegt haben, aus dem S-21 bis hierher. Auch ein paar Bilder von ausländischen Opfern und bekannteren Khmer ist zu sehen. Auch auf die Geschichte des Ortes wird eingegangen.
Es gibt ein neu erbautes Dokumentationszentrum auf dem Gelände, leider hatte es geschlossen.

Auf dem Rückweg sind mir ein paar westliche Schlampen entgegengekommen. Man darf nicht vergessen das es sich in erster Linie um einen Friedhof handelt, wo unzählige Menschen ermordet und begraben wurden!
Die Frauen die ich hier als Schlampen bezeichne, sind in ultrakurzen HotPants und Spagetti Träger Tops, die die weibliche Anatomie sehr betonen, aufgelaufen, auch die sehr laute Kommunikation untereinander ist nicht nur mir negativ aufgefallen. Ein gewisses Maß an Anstand und Pietät, sollte man besonders an diesem Ort an den Tag legen...
Das Problem der nicht angepassten Kleidung ist mir überall in Asien immer sehr negativ aufgefallen, der mein Fahrer und der andere unterhielten sich sehr belustigt auf Khmer. Mein Fahrer übersetzte mir das die jungen Damen, erst nach Diskussion mit dem Aufsichtspersonal auf das Gelände durften, im Königspalast hatten sie trotz lauter Protest keinen Zugang erhalten....

Wer schon einmal auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslager Bergen Belsen, bei Celle war, hat ungefähr eine Vorstellung wie die Killing Fields aussehen. Man fühlt zwar eine gewisse Spannung aber vom Grauen was hier stattgefunden hat, hat man keine rechte Vorstellung im Kopf.

Zurück in Phnom Penh, bin ich in ein Bistro am Fluss und habe ein leckeres Abendessen genossen. Der Barkeeper hat mich wieder erkannt und war sehr erfreut mich wieder zusehen, das großzügige Trinkgeld scheint doch Spuren hinterlassen zu haben 

Interessant war an dem folgen Gespräch, das er trotz einer eher einfachen Bildung, sehr wohl eine eigene Politische Meinung hat, die nicht darin endet, die verhassten Vietnamesen für alles verantwortlich zu machen.
Das Gespräch kam so zustande, er würde auch gerne im Ausland leben, da sei das Leben ja viel einfacher und viel besser... Als ich ihn „aufgeklärt“ hatte, mit welchen Entbehrungen ich diese Reise finanziert hatte, nannte er mir seinen Tagesablauf, der meinem sehr ähnelte...
Allerdings arbeitet er nicht für Reisen, sondern er hat eine Freundin, die er gerne ehelichen möchte, aber ohne ein japanisches Motorrad, kann er keine Familie gründen... auch die Ausrichtung der Hochzeit ist sehr teuer. Daher muss er noch lange sparen. Das größte Problem in seinem Land sei die Korruption, durch einen Unfall ist er verletzt worden und musste zu einem Arzt, der allerdings wollte ihn nur behandeln, wenn er was extra bezahlt. Was ihn in seinen Sparplänen sehr zurück geworfen hat. Normalerweise geht man in Kambodscha zu einer Apotheke und schildert seine Symptome um anschließend eine Arznei zu kaufen....

Die Mittel die in Asien frei Verkauft werden sind schon der Hammer, selbst ein unvorsichtiger Doc. in Deutschland ist eher sehr zurückhaltend wenn es um starke Schmerzmittel geht, in Asien werden diese Tabletten auch bei einem leichten Schmerzen verabreicht, gesehen in Thailand und in Indien.

Was ihn am meisten schmerzt ist das er in der Zeitung gelesen hat das es weltweit, zu einem Anstieg der Lebensmittelpreise gekommen ist, auch in Kambodscha. Aber warum muss seine Regierung, Reis exportieren, z.b. in den Niger? Auf mein Argument das es Geld in das Land bringt, war seine lakonische Antwort, was bringt uns Geld, wenn wir unsere eigenen Bedarf an Lebensmittel nicht mehr bezahlen können? Worauf ich nichts mehr zu erwidern wusste.
Auf dem Rückweg zum Hotel habe ich mir noch einige CDs und DVDs gekauft. Kaum im Bett bin ich sofort eingeschlafen, wieder eine sehr unruhige und kurze Nacht.
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