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Mein schönstes Ferienerlebnis ;-)............... (Gelesen: 12617 mal)
willi
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24.11.07 um 13:53:47
 


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So fingen doch früher immer die Aufsätze nach den großen Ferien an. Warum nicht also auch für meine Kambodscha(tor)tour 2007. Der lesende Forumler wird wissen, das es sich um meine dritte Reise durch Kambodscha handelt. Nach Nord und Süd sollte es diesmal mit dem Moped in den Osten nach Sen Monorom und Ban Lung gehen.

Ich hatte mal einen Reisebericht über diese Gegend gelesen, eine Herausforderung für den mittelmäßig erfahrenen Biker. Trotz guter Vorbereitung sollte ich diesmal jedoch erfahren müssen, das es erstens immer anders kommt und zweitens als man denkt.

Das Unheil begann schon mit der Flugbuchung. Was hatte mich da bloß geritten, bei der Mahan Air ein Ticket für 430€ für den Flug FRA-BKK zu buchen?

Der Mahan wurden am 11. 9. 07 die Landerechte auf europäischen Flughäfen entzogen, mein Ticket war nur noch ein Stück Papier und die Neubuchung für Qatar Airwais war schlappe 260€ teurer. Auf das Geld von Mahan warte ich noch Heute.

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willi
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Antwort #1 - 25.11.07 um 19:08:59
 
Der Flug mit Qatar war leider nicht so wie erwartet. Die Saftschubsen waren schlecht organisiert und wenig freundlich. Ich hatte einen Fensterplatz und ausreichend Platz zum Schlafen. So vergingen die knapp 7 Stunden "wie im Flug" und der Sonnenaufgang und die Landung in Doha boten einige optische Reize.

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Das Umsteigen in Doha ist lästig, man fährt mit dem Bus lange Strecken auf dem Flugfeld. Auf dem Airport selbst war viel Betrieb und es hieß: Schlange stehen an drei verschiedenen Stellen.

Eine Zigarette in den völlig verqualmten Boxen hab ich mir verkniffen und ich war endlich froh, als es nach ca. 3 Stunden mit einiger Verspätung weiterging.

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Nach weiteren 7 Stunden, 2 Videos, 2 erbettelten Fläschchen Wein und mäßiger Verpflegung konnte ich mich endlich vom Bordpersonal verabschieden.

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In Bangkok angekommen ging dann alles sehr schnell. Flugs durch die Passkontrolle und raus zu den Taxischergen.

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Es wurden wieder Traumpreise für die Fahrt nach Chinatouwn aufgerufen, 1200 Bath war die Krönung. Mit Taximeter kostete die halbstündige Fahrt dann gerade mal 300 Bath.
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willi
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Antwort #2 - 29.11.07 um 08:11:08
 
Die Nacht war kurz und um 4.30 Uhr klingelte der Wecker. Schnell noch einen Kaffee an der Reception und ab mit dem Taximeter zum Airport. Problemloses Einchecken bei Air Asia, dort hatte ich den Flug nach Phnom Penh im Internet für 1000 Bath (gut 20€) gebucht. Wieder durch die Regenschirmkontrolle und noch ein bischen Zeit zum Bummeln durch den Airport.

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Mein Flieger wartete schon auf dem Rollfeld und hob pünktlich um 7.05 Uhr in BKK ab.

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Ein letzter Blick auf den neuen Airport und nach 50 Minuten befanden wir uns schon im Landeanflug auf PP.

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Ich hatte für die ersten 2 Nächte im Flamingohotel eingecheckt. 20$ für ein großes, sauberes Zimmer in der 4. Etage (Aufzug!!) incl. Airport Pickup und Frühstück.

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Das Flamingos hat oberhalb der 4. Etage einen Dachgarten mit Bar und Restaurant, ein netter Ort um die Aussicht über die Stadt zu genießen.

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Die Hotelregeln waren schnell gelernt und ich konnte meinen Kambodscha Tripp beginnen.

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Es war jetzt Zeit für ein kräftiges Frühstück, also mit dem Motodup zum River in mein Lieblingsfrühstücklokal, on the corner, dort gibt es Kaffee ohne Ende. Es blieb genügend Zeit, den restlichen Tag zu planen.

Zuerst musste ich mich um die Anmietung eines geeigneten Mopeds kümmern. Da ich beim letzten Mal mit Lucky nicht so gute Erfahrung gemacht hatte, versuchte ich es bei Angkor Motobike in der 51. Strasse. Die Leute waren sehr nett und hilfsbereit und nach weniger als einer halben Stunde war der Vertrag für eine 250er Honda unterschrieben, Tagesmiete 12$. Die Maschine sollte noch durchgecheckt werden und ich konnte sie am nächsten Morgen abholen.

Mir blieb Zeit für einen Spaziergang durch die Stadt.

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willi
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Antwort #3 - 02.12.07 um 17:16:11
 
Am Abend traf ich mich mit Reini von Overcross an der Riverside auf ein Bier. Er organisiert geführte Motorradtouren in Kambodscha (wo auch sonst Zwinkernd ) Ich hatte im Vorfeld schon Kontakt mit ihm und er gab mir noch einige hilfreiche Tipps für die Strecke.

Morgens besuchte ich ihn noch in seiner Werkstatt zur intensiven Kartenstudie.

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Gut gewappnet gings dann endlich los Richtung Kampong Cham, anfangs auf der 6A und dann irgendwann rechts ab und immer am Mekong entlang. Die frittierten Vogelspinnen von Skun wollte ich mir für den Rückweg aufsparen. Die knapp 150 Km waren leicht zu Fahren, genau richtig für den ersten Tag.

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Kampong Cham ist wohl die zweitgrößte Stadt in Kambodscha, aber irgenwie ein verschlafenes Nest.

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Für den abendlichen Drink gab es am River 2 nette Lokale, hier schwirrten auch noch einige Touris rum.

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Am Abend füllte sich dann die Riverside mit einheimischen Jugendlichen, die ihre Mopeds präsentierten.

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Auch der Sportpark des 1. FC Kampong Cham lag Zentral am Mekong, Spielbetrieb nur bei Niedrigwasser.

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Die Hanglage des Spielfeldes erforderte manch Rettungsaktion des Balles.

Ich buchte ein Zimmer im Mekong Hotel für 10$, ein neueres Hotel ohne Atmosphäre.


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Ausser mir war noch eine jugendliche Reisegruppe aus Korea in dem Hotel abgestiegen. Die machten dann abends Party auf den riesigen Fluren, es kam so ein bischen Jugendherbergsfeeling auf. Da an Schlafen nicht zu Denken war, hab ich dann im Rahmen der Völkerverständigung ein paar Bierchen mitgetrunken.
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Sharkie
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Antwort #4 - 02.12.07 um 19:43:04
 
Hallo Willi,

das kommt mir ja alles so bekannt vor... Ich schwelge in den schönsten Erinnerungen und das Mekong-Crossing ist echt ne klasse Kneipe. Der Chef hat auch gute Routentipps auf Lager. Wenn du dich für Kambodschanischen Amateurfußball interessierst, solltest du mal ein Spiel des RSV Takeo besuchen, da hatten wir richtig Spaß und hätten gerne den ein oder anderen Stürmer mit nach Nürnberg genommen...  Zwinkernd

Schöne Grüße
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willi
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Antwort #5 - 04.12.07 um 15:54:29
 
Frisch gestärkt durch ein gutes Frühstück am Mekong (ach wie ich das Liebe) sollte die Reise weitergehen.

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Wie schon Herr Maffay treffend sagte: Über diese Brücke muß es gehn

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machte ich mich auf den Weg nach Mondulkiri. Zunächst war eine gute Asphaltstrasse angesagt

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und nach rund 2 Stunden hatte ich die ca. 140 km bis Snuol zurückgelegt. Hier war dann erst mal Pause und Verschnaufen angesagt. Das ist übrigens jederzeit möglich, weil, es gibt immer einen Markt oder eine kleine Hütte wo man sich mit Getränken und Essen versorgen kann.

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Snuol gibt es eine T-Kreuzung, rechts geht es nach Sen Monorom und links Richtung Kratie. Den guten Rat von einem schon genannten, erfahrenen Motobiker folgend, fuhr ich zunächst Richtung Kratie um dann nach ca. 25 km die alte Strasse nach Sen Monorom zu nehmen.

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Im Nachhinein ist man immer schlauer, hätt ich das mal nicht gemacht. Das Unheil nahm seinen Lauf. An der Abzweigung gibt es noch einmal die Möglichkeit zu Tanken, dann geht es über die alte Strasse nach Mondulkiri. Der Begriff "alte Strasse" ist sehr wörtlich zu nehmen. Schon am Ausgang des ersten Dorfes erwartete mich roter Staub, der sich nach wenigen Kilometern überwiegend in roten Schlamm verwandelte. Es hatte wohl die letzten Tage geregnet und ich hatte Pfütze um Pfütze zu bewältigen.

Nach ca. 15 km traf ich auf eine Holzhütte in der 3 "Waldhüter" saßen. Nochmals nach dem Weg gefragt und an der Gabelung rechts ab. Oh Mann, die "Strasse" wurde immer enger, Autospuren waren nicht mehr zu erkennen und die Abstände zwischen den immer tiefer werdenden Pfützen veringerten sich gegen Null. Ich eierte durch die ca. 50cm tiefen Feuchtgebiete und hatte meine liebe Not auf dem Bock zu bleiben. Es kam was kommen muste, ausgerutsch am Pfützenrand und ab ins Wasser. Da lag ich nun, vom Moped kam nur noch der Spiegel raus und von mir gerade mal der Kopf und die linke Schulter. Schnell stand ich wieder und zog das Moped aus dem Schlamm. Klar, die Karre sprang nicht mehr an, was mache ich jetzt?????? 

Erstmal evtl. Schäden checken, am Moped war soweit alles ok, mir war außer einem Schreck nichts passiert, abgesehen das ich aussah wie Sau. Die Motorradrolle schien den Sturz ohne Wassereinbruch überstanden zu haben, mein Rucksack war innerlich auch rel. trocken geblieben, Kamera und Handy hatten den Badespaß auch überlebt.

Laut Tacho hatte ich seit der Holzhütte knapp 3 km zurückgelegt, also kehrt, Jacke aus (mein Gott wie die triefte) und Helm ab zum Rückmarsch. Nach ca. anderthalb Stunden erreichte ich völlig abgekämft die Holzhütte, war natürlich keiner mehr drin. Der Versuch, eine Zigarette zu rauchen scheiterte am nassen Tabak und am nassen Feuerzeug.

So hockte ich vor der Holzhütte und muss wohl einen ziehmlich beschi...... Eindruck erweckt haben. Ein vorbeikommender Mopedfahrer stoppte und bot mir seine Hilfe an. Leider war die Verständigung gleich null. Ein weiterer netter Mensch gesellte sich zu uns, wir rauchten erst mal eine und mir wurde gezeigt, das ich den kleinen Weg nach rechts einschlagen sollte. Nach ca. 1km erreichten wir gemeinsam eine Ansummlung von einigen Holzhütten. Eine entpuppte sich als "Werkstatt" wo man mir evt. helfen könnte.

Natürlich sorgte meine Anwesenheit für einen kleinen Menschenauflauf. Mir kam es vor, als wenn alle Dorfbewohner ihre Arbeit ruhen ließen um sich den "dreckigen Touristen" anzusehen. Der Werkstattbesitzer sah sich mein Moped an und griff zu einem schweren Hammer.
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willi
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Antwort #6 - 07.12.07 um 13:45:43
 
Er brauchte den dicken Hammer allerdings nur, um seine Werkzeugkiste zu öffnen.

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Es waren jetzt so ca. 10 Spezialisten plus die dazugehörigen Kinder und teilweise auch Frauen anwesend, die alle mehr oder weniger Hand an´s Moped legten.

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Wenn denn mal das passende Werkzeug fehlte, wurde schnell etwas zusammengeschweißt bzw. abgeflext. Nach einer knappen Stunde war mein Bike kaum noch zu erkennen.

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Es wurde alles gesäubert, wieder eingebaut, wieder ausgebaut und gesäubert wieder............... es dauerte Stunde um Stunde. Ich hatte schon fast die Hoffnung auf ein funktionierendes Moped aufgegeben.

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Das ganze entwickelte sich zu einem Dorffest. Mir blieb nur: Haltung bewahren und auf die Späße der hilfsbereiten Mitmenschen einzugehen.

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Ein älterer Herr wollte sich zum Beispiel von der Passform meines Helmes überzeugen....

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...sehr zur Gaudi der anderen Anwesenden.  Der einzige Vorteil war für mich, das meine Klamotten in Ruhe in der Sonne trocknen konnten.

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Nach über 4 Stunden war es soweit, mein Moped sprang mit lautem Getöse an. Der Mechaniker malte 30.000 Riel in den Sand, ca 7,50 $. Ich war so glücklich, das ich ihm eine 10 Dollar Note in die Hand drückte und mich unter lautem Hallo und viel Gewinke von den netten Menschen verabschiedete.

Jetzt hatte ich ein weiteres Problem. Die Fahrt nach Sen Monorom konnte ich vergessen, Snoul hätte ich noch bei Tageslicht erreichen können, aber da gab es laut Reiseführer keine richtigen Übernachtungsmöglichkeiten. Also blieb die Fahrt nach Kratie, ca. 100km allerdings auf gutem Asphalt, so geschätzte 2 Stunden.

Wenn es nicht...................., ja wenn es nicht angefangen hätte zu Regnen, und um 18 Uhr war es Stockedüster. Dunkel heist in Kambodscha richtig dunkel, die Ochsenkarren sind nicht beleuchtet, genausowenig wie die streunenden Hunde und die oft quer auf der Strasse liegenden Kühe. Es gibt weder Seiten- noch Mittelstreifen und die wenigen entgegenkommenden Autos und LKW`s hatten grundsätzlich das Fernlicht an. Ich musste jedesmal auf Schrittgeschwindigkeit reduzieren, um nicht vollends die Orientierung zu verlieren. Aus den 2 wurden dann dreieinhalb Stunden und gegen 21 Uhr war ich endlich in Kratie.

Total kaputt und klatschnass fuhr ich bei dem ersten Hotel was sich anbot auf den Hof. Der Manager kam heraus, musterte mich von oben bis unten, und auf meinen Hinweis: "ich sehe zwar aus wie ein Schwein, hätte aber gerne ein Zimmer mit einer heißen Dusche" meinte er nur: "no problem"

Er half mir sogar, mein Gepäck mit aufs Zimmer zu bringen und versprach mir, mein Moped vom gröbsten Dreck zu befreien. Es war mir schon fast peinlich, in der marmorgefliesten Hotelhalle und auf der vorher noch sauberen Treppe eine deutliche Schlammspur zu hinterlassen.

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Auf dem Zimmer hab ich mir dann die nassen Klamotten vom Leib gerissen und ausgiebig heiß geduscht.

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Bibi
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Antwort #7 - 07.12.07 um 16:29:26
 
Hallo Willi,

es macht total Spass an deinen Erzählungen Teil zu haben.
Hoffe es gibt noch Nachschlag und man kann dem folgen, was du alles erlebt hast.
So wird es bei uns in Januar 2008 bestimmt nicht sein.
Aber wird sind ja auch nicht mit dem Mopet unterwegs.
Also freue ich mich auf den nächsten Abschnitt und bin gespannt wie es weiter geht.
Es grüßt
Bibi
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willi
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Antwort #8 - 10.12.07 um 15:45:24
 
Zur Orientierung hier noch mal einen Kartenausschnitt

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hier ist jetzt die weitere Tour von Kratie aus zu sehen. Anfangs nahm ich die alte Strasse am Mekong vorbei. Es ging durch viele kleine Dörfer, spielende Kinder winkten mir zu. Es war mal wieder leichter Nieselregen.

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De Regen hörte auf und es ging recht zügig meinem nächsten Etappenziel, Ban Lung, entgegen. Die Freude über die gute Strasse und die Sonne fanden ein jähes Ende.

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Auf halbem Weg Richtung Stung Treng hatte ich einen Platten.

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Natürlich mal wieder keine Menschenseele weit und breit, also hieß es: Helm und Jacke aus und in der nun schon sengenden Sonne das Moped schieben. Nach weniger als 4 km fand ich endlich eine Werkstatt, die mir gegen die gringe Gebühr von 8 $ einen neuen Schlauch einzog und die Karre wieder flott machte.

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Der Mensch ist leidensfähig, selbst ich hatte mich an den Anblick meines auseinandergebauten Mopeds gewöhnt.

Ca. 20 km vor Strung Treng verließ ich die RN 13 und bog auf die RN 19 ab, nur noch 130 km bis Ban Lung. Es war einige glitschige und vom Regen gezeichnete Lateritpiste mit vielen kleinen Schlaglöchern. Ich wurde richtig schön durchgeschüttelt.

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Ich ließ mir an einer Tankstelle noch mal ein paar Coloflaschen Sprit eingießen

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und genoss die Reise, unterbrochen von dem ein oder anderen Stop.

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Nach rund 2 Stunden hatte ich die Hälfte der Strecke bewältigt und ich machte mir schon Gedanken über das Hotel, in dem ich die nächste Nacht verbringen wollte.

Plötzlich wurde ich durch ein lautes "bäff bäff bäff" aus meinen Träumen gerissen, die Karre gab endgültig ihren Geist auf und ich war wieder in der Realität. Das heisst, umgeben von Regenwald, kein Mensch zu sehen, Moped streikt. Ich blieb gelassen und wollte mir per Handy Rat vom Vermieter holen, klar, kein Netz mit meiner Karte. So wartete ich geduldig auf einen Helfer. Ein freundlicher Polizist stoppte und fragte auf fließendem Englisch nach meinem Problem. Wir untersuchten noch einmal gemeinsam das Moped. Da es sich aber mit eingelegten Gang schieben ließ, war schnell klar, keine Kompression, also eine mitlere Katastrophe.

Der Polizist lud mich auf sein Moped und brachte mich zu einer Ansammlung von Holzhütten. Hier stellte mir der Dorfchef sein Handy für div. Telefonate zur Verfügung. Ein letzter Anruf bei Angkor Motocycel und mir war klar, das Moped musste zurück nach Phnom Penh. Der Polizist versprach mir, den Transport zu organisieren und mich nach Ban Lung zu bringen. Erst als der abgebrühte Dorfchef, ohne mit der Wimper zu zucken, schlappe 10$ für die Telefonate verlangte, trübte sich meine Stimmung langsam ein.

Der Polizist schüttelte auch den Kopf und schmiss dem Halsabschneider noch einige für mich unverständliche Worte in Khmer an den Kopf. Das Moped wurde an einem "sicheren Platz" abgestellt, dort sollte es am nächsten Morgen abgeholt werden. Es war mittlerweile schon wieder mal 16 Uhr, die Dukelheit nahte mit riesen Schritten.

Die Strasse war um diese Zeit nicht mehr so stark befahren, aber ich hatte Glück, 2 Mopedler hielten an und nach kurzer Rücksprache mit dem Polizisten durfte ich eines der Mopeds besteigen, während der andere Driver sich meiner Tasche annahm. So ging es dann im Schneckentempo Richtung Ban Lung. Die Dunkelheit brach schnell herein, nur ein Moped hatte eine funktionirende Lampe. Nach einer weiteren Stunde machten wir Stop in einem kleinen Dorf. Die Mopedfahrer beratschlagten und gaben mir zu verstehen, das ich mich erstmal in ein Restaurant setzen solle. Nach kurzer Zeit stoppten sie einen Bus, der auf dem Weg nach Ban Lung war.

Mein Gepäck wurde eingeladen, beim Einsteigen hab ich mir dann noch richtig böse den Kopf an einem scharfkantigen Gegenstand gestoßen. Ich fühlte kaum Schmerz und wollte nur noch weiter. Erst als mich die Mitreisenden so merkwürdig ansahen, überprüfte ich noch einmal die Stoßstelle. Wie ich dann in der Seitenscheibe erkennen konnte, zierte eine blutende Platzwunde meine Pläät. Das Blut hatte sich mit Schweiß vermischt und sich über meine rechte Gesichtshälfte verteilt.

Jetzt erst wurde mir klar warum die Mitreisenden die blutverschmierte Langnase so anstarrten.
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willi
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Antwort #9 - 13.12.07 um 11:44:33
 
Bei der Ankunft in Ban Lung so gegen 20.30 Uhr rottete sich die übliche Traube von Schleppern um den Bus, ich hatte sogar das Gefühl es waren mehr als sonst üblich. Die wenigen Touris wurden regelrecht aus dem Bus gezerrt. Ich schnappte mir meine Tasche, gab dem Fahrer die aufgerufenen 3$ und stellte mich etwas abseits. Nur knapp 100m von der Bushaltestelle entdeckte ich die Leuchtreklame vom Kim Morakat Hotel. Dort checkte ich für 10$ die Nacht ein, sauberes Zimmer, AC und heißes Wasser.

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Morgens wurden dann noch einige Telefonate erledigt damit mein Moped heil nach Phnom Penh gebracht wurde. Ein Spaziergang durch Ban Lung vermittelte mir einen ersten Eindruck.

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Im Zentrum, wenn man es denn so nennen will, fallen die halbfertigen Hotelneubauten auf, aufstrebender Tourismus. Das ganze hat aber irgendwie den Charakter einer Wildweststadt. Die meisten Unterkünfte liegen in Richtung des nur wenige Kilometer entfernten Boeung Kansaing Sees. Es gibt einen quirligen Marktplatz, einige wenige Restaurants die aber abends um 21 Uhr schließen sowie überdurchschnittlich viel Handyläden.

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Ich mietete mir ein...............ja was denn wohl.................richtig................ein Moped um die Gegend zu erkunden.

Es werden sehr viele Gummibäume zur Kautschukproduktion angebaut. In mühevoller Handarbeit werden die Bäume gepflegt und das gewonnene Kautschuk zu der ortsansässigen Fabrik gebracht.

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Die Fabrik selbst habe ich dann auch besucht. Gegen Übergabe einer Schachtel Zigaretten ließ mich der Pförtner auf das Gelände. Die Produktion von Kautschuk ist von einem bestialischen Gestank begleitet. Der Kautschuk wird mehrfach gewaschen und letzlich in gepressten Ballen zum Versand fertig gemacht.
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willi
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Antwort #10 - 14.12.07 um 17:00:48
 
Der Weg führte mich weiter zu einem Wasserfall. Gegen 2000 Riel Eintritt durfte man auf einen kleinen Parkplatz fahren. Ich war dort ganz alleine. Mit ein bischen Kraxelei konnte man schöne Stellen zum Verweilen erreichen.

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Das Grün der Vegetation und die bemoosten Felsen waren beeindruckend.

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Die Strassen und Wege waren eine richtige Erhohlung nach dem was mir bisher so untergekommen war.

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Gleich hinter dem Wat Eisay Patamak führt ein schmaler Weg auf einen Hügel. Dort befindet sich ein heiter lächelnder liegender Buddah.

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Von dort hat man einen wunderschönen Blick über die grüne, hügelige Landschaft.

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Meine Tagestour endete am ruhigen Boeung Kansaing See.

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Na ja, so ganz ruhig war es nicht. Eine Truppe älterer Damen hatte den warmen Nachmittag für ein ausgiebiges Bad im See genutzt.

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Auch einige Touris genossen die Ruhe am See und hatten sich ein schattiges Plätzchen gesucht. Es gab Kleinigkeiten zu Essen und auch für kühles Bier war gesorgt.

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Für die Rückfahrt nach Phnom Penh gab es 2 Möglichkeiten. Einmal den Bus, aber fuhr schon um 5.30 Uhr los. Das war mir zu früh, ich wollte endlich mal Ausschlafen, es war schließlich Urlaub. Gegen 12 Uhr sollte ein Minibus nach PP aufbrechen. Allerdings blieb es beim "Wollen" denn der Driver wollte nur losfahren, wenn alle Plätze belegt wären. Gegen 14 Uhr waren immer noch 3 Plätze frei und auch gegen Zahlung eines höheren "Beförderungsentgeltes" war der Fahrer nicht bereit zu Starten. OK, dann eben am nächsten Morgen den Bus.

Das war mein Plan, aber in Kambodscha sollte man nicht soooooo viel Planen. Bei einem kleinen Snack auf der Veranda des Ratank Hotels

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wurde mir die Offerte gemacht, mit einem Pickup nach PP zu Reisen. Für läppische 15$ wurde mir der Beifahrersitz angeboten, für mich ganz alleine. Beine ausstrecken und die Nachtfahrt ganz entspannt genießen.

Gegen 16 Uhr stoppte ein klappriges Pickup vor dem Hotel, wahrscheinlich Baujahr 1980. Auf der Ladefläche waren div. Waren verzurrt, darauf saßen so an die 18 Menschen. Der Beifahrersitz war für mich ganz alleine reserviert. Allerdings hatten die 5 Personen auf der Rückbank den Sitz bis auf´s Äußerste nach vorne geschoben, die brauchten ja auch ein wenig Beinfreiheit. Den Sitz also wieder zurückgeschoben bis mir 4 Knie in den Rücken drückten. So starteten wir dann Richtung PP. Zuerst gab es noch einen Stopp um die Reifen mit ausreichend Luft zu versorgen, 25 Personen haben schon Gewicht, auch wenn es kleine Kambodschaner sind.
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willi
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Antwort #11 - 17.12.07 um 16:05:30
 
Mit geschätzten 3 t Gesamtgewicht raste der Driver über die Schlaglochpiste der untergehenden Sonne entgegen. Die Stimmung an Bord war gut, bis zum Einbruch der Dunkelheit hatten wir schon 70 Km zurückgelegt. Obwohl für meine Augen die Sicht auf die Strasse eher schlecht war, kam es dem Fahrer nicht in den Sinn, etwas langsamer zu Fahren. Bewegliche Hindernisse wurden einfach "weggehupt", unbewegliche Hindernisse mit waghalsigen Lenkbewegungen umfahren. Dabei quaschte er unaufhörlich mit den Menschen auf der hinteren Sitzbank, rauchte einen Glimmstengel nach dem anderen und Gähnte in einem fort.

Noch ein Wort zum Zustand des Fahrzeuges. Die Beifahrertür ließ sich nur mit roher Gewalt von außen öffnen und schließen. Das Fenster ließ sich Schließen, die Frontscheibe hatten einen dicken Riss, zwischen meinen Füßen war noch div. Werkzeug gelagert. So saß ich, die Kniee am kantigen Amaturenbrett und harrte der Dinge die kommen sollte.

Und die Dinge kamen!!!!!!!!! Ein kräftiges Schlingern verriet einen Plattfuß rechts Hinten. Ein kurzer Stopp und nach 30 Minuten war der Reifen gewechselt, die Fahrt ging weiter in die dunkle Nacht. Nach weiteren 30 Minuten gab der Keilriemen seinen Geist auf, ein kurzer Check, die Fahrt ging weiter. Wir mussten jetzt allerdings immer mal wieder Anhalten um den heißen Motor mit kaltem Wasser zu Kühlen.

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Spätestens beim Flicken des nächsten Platten zweifelte ich an meiner Entscheidung, den Platz in diesem Pickup eingenommen zu haben.

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Gegen Mitternacht erreichten wir Kratie. Der Fahrer hatte wohl über Handy einen Ersatzzahnriemen geordert. Dieser wurde in Kratie übergeben und montiert. So hatte die mitfahrende Gemeinde Gelegenheit, sich auf dem schließenden Nachtmarkt noch einmal mit Food und Drinks zu versorgen. Ich kippte mir 2 große Flaschen Bier rein, vielleicht klappte es ja noch mit dem Schlafen.

Gegen 5 Uhr Morgens erreichten wir den Zentralmarkt von Phnom Penh, die richtige Zeit, um sich ein Hotel zu suchen. Flamingos und Angkor Inn hatten schon am Vortag tel. abgesagt, nichts mehr frei. Ein wartender Motoscherge bot mir an, mich für den üblichen Dollar zum Walkabout zu fahren, eine Strecke, die normalerweise in 10 Minuten zu bewältigen ist. Von dort aus wollte ich mich auf die weitere Zimmersuche begeben.

Der Motoscherge war allerdings so Besoffen oder sonstwie Zugedröhnt, daß er eine Stunde brauchte um mich nach einer morgendlichen Stadtrundfahrt im Walkabout abzusetzen. Hier war sogar noch ein fensterloses Zimmer für 11 $ frei. Ich gönnte mir noch ein Bier um die nötige Bettschwere zu erlangen.

http://nepal2.de/assets/images/db_images/db_CIMG02201.jpg
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feiwel30
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Antwort #12 - 01.01.08 um 09:49:11
 
hallo willi,

sehr schoen geschrieben und sehr schoene bilder dabei.

nur kurz zur info fuers naechste mal wenn wieder mal ein vergaser abgesoffen ist! tip fuer alle schrauber hier im forum!

luftfilterdeckel abmachen und luftfiltertrocknen, luftzufuehrung zum vergaser reinigen, vergaser abschrauben ganz einfach, bowdenzuege aushaengen, zei schellen mit kreuzschlitzschraubenzieher vorne und hinten vom vergaser loesen und cdi kabel (steuerkabel) links unter der sitzbank loesen, das ding aufschrauben und ausblasen, (wenn kein kompressor zur hand ist , dann eine bedienstete zur hilfe aus dem walkabout mitnehmen, die verstehen ihr handwerk!  Zwinkernd  ), oel check machen, oel ist weis oder grau, oel ablassen und neues einfuellen, 1.7l add 0,2 bei oelfilterwechsel, mopped im notfall fuer zwei minutren auf den kof stellen damit der rest des schlechten oels beim zurueckdrehen mit runterlaeuft, vergaser und trockenen luftfilter wieder drannschrauben, kabel kurz reinigen um kurzschluesse zu vermeiden, wenn wieder kein kompressor zur hand ist...ebenfalls im walkabout nachfragen!!! und ab geht die post!


alles gute im neuen jahr und schoenen motorradtouren auf der ganzen welt wuenscht dir reini


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willi
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Antwort #13 - 06.01.08 um 09:32:05
 
Nach dem ganzen Stress der letzten Tage verlangte mein Körper nach Ruhe. Und die wollte ich mir in PP gönnen. Ich liebe es am River zu sitzen, durch die Märkte zu streifen oder sich einfach mit dem Strom der Menschen durch die Stadt treiben zu lassen. Frühstück gibt´s beim Franzosen, "on the corner"

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Frisches Baguette, Eier mit Speck, Marmelade, O-Saft und Kaffee bis zum Abwinken für 1,5 $. Das ist ein guter Anfang für einen schlendrigen Tag.

Aber zuerst musste ich noch nach Kanossa bzw. zu Angkor Motobike. Mit schlechtem Gewissen fragte ich nach dem Chef. Ich hatte meine Maschine schon in Einzelteile zerlegt in einer Ecke der Werkstatt erkannt, das sah nicht so gut aus. Der Chef empfing mich mit einem freundlichen Lächeln, wir tranken gemeinsam Tee und plauderten über dies und das ehe wir zum Kernpunkt meines Besuches kamen.

Er führte mich zu den Einzelteilen meines Mopeds, zeigte mir die defekten Kolbenringe, die verkokelten Ventiele, das angeschlagenen Pleuel, den leicht deformierten Vergaser und belehrte mich freundlich, das man seine Mopeds nicht bei Dorfwerkstätten reparieren lassen sollte.

In meinem Kopf purzelten die Dollarnoten von meinem Konto, das schien ein teurer Spass zu werden. Nach langem Vorgeplänkel nahm er einen Zettel und fing an zu Rechnnen. Er endete bei 140 $ plus 10$ für den Transport.

Ok, Dummheit muss bestraft werden, aber wir sind ja in Kambodscha und die Feilscherei begann. Nach weiteren Teeaufgüssen einigten wir uns nach einer halben Stunde schließlich auf 50$ und ein neues Moped für die restlichen Tage. Da war ich noch mal mit eienm blauen Auge davon gekommen.

So viel es mir nicht schwer, 2-3 Tage PP genießen zu können. Mit dem Besuch des Zentralmarktes

...

und des neuen Einkaufszentrums führte ich meinen Bummel fort. Von der 6. oder 7. Etage hat man einen schönen Blick auf die Stadt.

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Zurück zum River um mich von dem Alltagsleben einfangen zu lassen.

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So verging die Zeit und gegen Abend musste ich mich nach einem netten Platz für die Happy Hour umsehen.
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willi
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Antwort #14 - 07.01.08 um 12:57:08
 
Mein Magen meldelte sich unüberhörlich zu Wort und ich schlug den Weg zu   " happy herb´s pizza" am Flussufer ein. Ein mittlerer Menschenauflauf weckte meine Aufmerksamkeit und ganz nebenbei wurde ich Zeuge eines phänomenalen Fotoshootings.

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Meine "überragende Größe" erlaubte es mir, auch einen Schnappschuss von den Model´s zu machen.

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Man kann die Pizza mit und ohne Happy bestellen, aber wenn ich hier schon mal Pizza esse, dann doch bitte "mit". Überaus nett fand ich die Geste des Restaurantbesitzers, das er seit meinem letzten Besuch ein Bild von mir aufgehangen hatte.

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Anschließend bin ich dann wieder zum Franzosen, hatte ich doch am Morgen nicht die Offerte übersehen, das Angkor Draft für 0,8$ erwerben zu können. Dazu gab es dann reichlich Atmosphäre und obendrein noch ein Feuerwerk zu Königs Geburtstag.

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