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Beitrag begonnen von Time to Discover am 28.09.12 um 12:40:37

Titel: Otres Beach, Sihanoukville
Beitrag von Time to Discover am 28.09.12 um 12:40:37
Wenn ich die Augen schließe, das Meeresrauschen im Ohr, sehe ich die weiten Sandstrände und Dünen der Ostsee. Dünen, sie fehlen mir in Kambodscha. Das Land hat einige schneeweiße Strände zu bieten, doch mit denen Thailands können sie sich nicht messen. Zudem hat sich die Regierung für den Ausverkauf der Paradiese entschieden. Ein Blick in die Touristenstadt Sihanoukville…

Mit dem Tuk Tuk fahre ich stadtauswärts, weg von den Touristenstränden Serendipity und Occheuteal. Es ist Regensaison, Nebensaison. Dennoch sieht man den Unterschied zwischen Massentourismus und Erholungstourismus sofort. Hinter Serendipity liegt der beliebte Insider-Tipp Otres Beach. Wer hierher kommt, der trifft kaum auf Sextouristen, Schmuckverkäufer und Masseurinnen. Hier finden Besucher kleine, bescheidene Holzhütten und ausgezeichnete lokale Küche. Nicht nur in der Nebensaison ist es hier es ruhiger und natürlicher.

Ich steige aus dem Tuk Tuk aus und laufe an den Strand. Die Gewitterwolken peitschen den Golf von Thailand auf. Während die Wellen ihre Kraft am Strand verbrauchen, zieht die offene See das Wasser magnetisch zurück. Die wenigen Strahlen der tief stehenden Sonne glasieren die Wogen mit einer Wachsschicht. Dahinter reihen sich Palmen, Tannen, Holzhütten mit Strohdächern, Kuh- und Büffelweiden. Dass die Grundstücke bereits seit Jahrzehnten existieren, erkennt man an den verwitterten Steinzäunen.

Ich will mehr über die Zukunft der Grundstücke am romantischen Otres Strand in Sihanoukville herausfinden. Plötzlich liegen neben mir keine Gebäude mehr. Zehn Minuten laufe ich an einer öden Landschaft mit Baggern, Kühen, Betonröhren und halb fertig gepflasterten Pfaden entlang. Unter der Woche wird es hier nicht sehr entspannend sein. "Wer plant das?", frage ich mich. Die Besitzerin des nächsten Guesthouses wird mir das beantworten.

"Wir wurden rausgeschmissen, unser erstes Guesthouse mussten wir dafür abgeben", sagt die Kambodschanerin. Eine Entschädigung gab's nicht, aber eine Grundstücksurkunde hatten sie auch nicht, um dagegen zu protestieren. Schon vorher war klar, dass die behördlichen Papiere nicht lange weilen, da der Strand offiziell der Regierung gehört und das Land theoretisch nicht zu verkaufen ist. Vor zwei Jahren hat sie mit ihrem europäischen Ehemann dann das neue, abgelegenere Grundstück gekauft. Ihre Bungalows können sie nur in der Trockenzeit vermieten, weil sie nicht zuverlässig gegen den Regen abschirmen.

Dennoch scheint es eine der besten Unterkünfte des Strandes zu sein, ich werde es als Geheimtipp behalten. Die Bungalows am Meer bieten einen Gänsehaut-Blick auf den Sonnenuntergang, das Menü ist lokal und die Angestellten sind herzlich. Den Namen werde ich an dieser Stelle nicht nennen, da ich ihr keine Probleme mit dem örtlichen Gouverneur bereiten möchte. 

Einen Grund für die Zwangsräumung hat man ihr nicht verraten. Laut Medienberichten soll ein Garten angelegt werden. Die Nachbarn erzählen sich aber, dass der Strandabschnitt zu einem neuen Massenstrand umgebaut werden soll. "Ein Restaurant in der Mitte und drum herum die Gästezimmer. Alles wird gleich aussehen und überall wird Müll rumliegen", sagt sie entmutigt. "Ich weiß nicht wie lange wir hier noch bleiben dürfen."

Konstruktionen sieht man auf der Baustellenwüste noch nicht. Es ist aber offensichtlich, dass die Strandpromenade nicht breiter als fünf Meter sein wird. Eine neue Hotelwüste wäre nur eines von vielen Beispielen dafür, dass sich die kambodschanische Regierung zum Ausverkauf der Ressourcen des Landes entschieden hat.

Titel: Re: Otres Beach, Sihanoukville
Beitrag von Don Kong am 29.09.12 um 04:54:19
... vielen Dank für deinen Bericht.

Während man in den Nachbarländern Thailand und Vietnam den Tourismus immer weiter ausbaut, wozu nun mal Hotels und Infrastruktur gehören, soll man wohl im armen Kambodscha möglichst immer schön auf Rucksacktouristen-Niveau bleiben. Erwartest du etwa das man hier auf Fortschritt verzichtet, damit einige wenige in ihrem Urlaub alles schön billig und natürlich haben?

Was dieses Land braucht ist eine funktionierende Tourismus Industrie und keine romantischen Träumereien. Ein Hotel schafft Arbeitsplätze und Touristen bringen Geld ins Land, daran lässt sich nix rütteln.

Die Leute die am Otres Beach die Grunstsücke in Anspruch nehmen sind von den lokalen Behörden geduldet und das schon für eine sehr lange Zeit. Ich halte das für eine ziemlich nette Geste. Sie haben keine Rechte an den Parzellen weil sie keine Landtitel (Grundbucheinträge) besitzen. Würde man das, in der Stadt in der du lebst, auch so dulden?

Übrigens der Ausverkauf der Ressourcen dieses Landes findet auf einer anderen Ebene statt und nicht weil nahe dem Strand ein paar Hotels gebaut werden.

Nimm es mir nicht krumm aber ich denke du bist einfach zu einseitig und nicht ausreichend informiert.

Titel: Re: Otres Beach, Sihanoukville
Beitrag von manne am 29.09.12 um 11:23:33
ich sehe die sache auch nicht so dramatisch.
zwischen anspruch und wirklichkeit liegen in kambodscha immer welten.
bestes beispiel sind die hochfliegenden pläne im sog. "entwicklungsgebiet" südlich des occheuteal-beach.
vor jahren großräumig eingezäumt, tolle schautafeln aufgestellt und ein paar säulen betoniert und seitdem: "ruhe sanft".
gruß
manne

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